Fortsetzungsroman „Der Langbogenschütze“ Teil 5

Chronik

CHRONIKIm fünften und letzten Teil unseres Fortsetzungsromans lösen unsere Helden Mr. Trolmes und Mr. Dottson den Fall um den Wilderer bei Graf Greyscale.

Der Ruf kommt von Westen – dort wo die Mitarbeiter des Grafen gesucht und offenbar etwas gefunden haben.
Trolmes und Dottson rennen so schnell ihre Füße sie tragen können. Die Garde des Grafen folgt ihnen auf Schritt und Tritt.

Schwer atmend erreichen sie eine Hügelkuppe. Am Fuß des Hügels ist eine kleine Höhle vor der der Graf mit seinen Bediensteten steht.

„Sehen sie sich das an, Herr Trolmes!“, der Graf fuchtelt wie wild in Richtung Höhle. „Hier hat der Lump meine Hirsche verschleppt! Ich habe Sie gerade entdeckt!“
„Ich nehme an, Sie wissen, wer es war, Herr Graf?“, fragt Trolmes.
„Sicher! Mein werter Nachbar, der Graf von Revenshire! Das hier ist sein Überwurf! Und hier: Sein Regenschirm mit Initialen!“
Trolmes reibt sich das Kinn: „In der Tat, die Beweislast ist erdrückend. Man könnte sogar vor einer ganzen Reihe an ‚erdrückenden‘ Beweisen sprechen.“
„Werden Sie den Mann festnehmen?“, schreit der Graf lauthals.
„Sicher nicht, mein lieber Herr Graf. Denn Ihr Nachbar hat es offensichtlich nicht getan.“, Trolmes zückt seine Pfeife und greift sich eine Lampe, die ein Mitarbeiter bei sich trägt. Schnell zündet er sich mit Hilfe der Lampe und einem dünnen Ast die Pfeife an. Nervös schauen sich die Bediensteten um.
„Wie meinen Sie das, er hat es nicht getan. Sie sehen doch hier seinen Mantel!“, schreit der Graf.
„Und seinen Schirm, ja.“, Trolmes pfafft an seiner Pfeife, „aber die Jacke ist die eines dürren Mannes, der Schirm sehr klein und wie ich mich recht entsinne ist der Graf von Revenshire ein sehr schmächtiger Mann und vor allem Pazifist.“
„Was hat das damit zu tun!“, zetert der Graf.
„Nun, er wird wohl oder übel nicht in der Lage gewesen sein, einen Bogen zu spannen. Geschweige denn, einen Hirsch zu erschießen. Nein, mein lieber Herr Graf: Sie haben Ihre eigenen Hirsche geschossen.“
„Was reden Sie denn da! Ich soll meine eigenen preisgekrönten Hirsche erschossen haben? Warum das denn?“
„Weil sie nicht mehr preisgekrönt sind. Oder schon seit Längerem nicht mehr. Sie sind Ihnen vielmehr eine Last – finanziell wie auch für ihre Ehre. Wenn Sie allerdings nicht einen natürlichen Tod gestorben sind, können Sie auf Schadensersatz klagen. Sie waren der Erste, der die Höhle entdeckt hat, weil Sie wussten, wonach Sie suchen sollten. Sie haben Erfahrung im Bogen – ihr Wappen wird von einem geziert – kennen Ihre Tiere, haben die richtige Statur und haben ein Motiv: Das alles wäre Sachbeschädigung, aber der Mantel und der Regenschirm, nun, das ist Diebstahl. Und ich persönlich finde es beleidigend, dass Sie mich engagiert haben um Ihrem Plot Gewicht zu verleihen. Denn das war der Grund! Wer würde auch der Aussage eines Mr. Trolmes widersprechen. Dottson, ich würde sagen, wir haben wieder einen Fall gelöst.“

Ende.

Fortsetzungsroman „Der Langbogenschütze“ Teil 4

Chronik

CHRONIKIm vierten Teil unseres Fortsetzungsromans suchen unsere Helden Mr. Trolmes und Mr. Dottson im umliegenden Wald nach Indizien und nach dem Täter. Graf Greyscale hat ihnen seine Bediensteten und die hauseigene Wache angeboten. Zusätzlich rekrutiert Trolmes noch Bewohner aus der Umgebung.

„Der Jäger wird zum Gejagten! Das erinnert mich an meine Zeit beim Militär“, sagt Dottson, der offensichtlich Gefallen an der Jagd nach dem Preishirschwilderer hat. Missmutig stapft ihm Trolmes hinter: „Die Natur ist ein verflixtes Ding. So ungeordnet und zufällig. Ein klarer Straßenverlauf wäre mir lieber“, murmelt der Meisterdetekiv und schaut sich um. Das persönliche Regiment des Grafen sucht hinter ihm weiträumig die Gegend ab. Jeder Soldat der Hauswache trägt einen Hirsch und einen Bogen auf seiner Weste – das Emblem des Grafen. Weiter zur Linken und zur Rechten machen sich Dorfbewohner und Angestellte auf die Suche. Selbst der Graf ist mit dabei.
„Haben sie schon einen ersten Verdacht?“, fragt Dottson.
„Allerdings, sogar mehrere. Auch wenn ich den Täter noch nicht kenne – oder vielleicht doch.“
Das verwirrt Dottson umso mehr: „Wieso machen wir uns dann auf die Suche?“
„Weil die Suche selbst die Antwort auf die Frage des Falls geben wird – hoffe ich zumindest. Der Täter wird sich demnach selbst demaskieren.“
„Aber sie wissen doch, wer es in etwa sein könnte, oder?“
„Natürlich: Das Offensichtliche liegt auf der Hand. Ein Neider, ein Mitarbeiter mit bösartigen Gefühlen, eine starke, bogenschusswütige und vor allem abgewiesene Geliebte – all das sind Möglichkeiten.“, zählt Trolmes auf.
Dottson nickt, „Aber keine davon ist die richtige, wenn ich sie richtig verstehe.“
„Das werden wir sehen, mein lieber Dottson, das werden wir sehen:“
In dem Moment erschallt ein Ruf aus dem Wald: „Wir haben etwas gefunden!“
„Die beiden Freunde rennen in die Richtung des Rufenden.

Beim nächsten Mal geht’s weiter.

Fortsetzungsroman „Der Langbogenschütze“ Teil 3

Chronik

CHRONIK

Im dritten Teil unseres Fortsetzungsromans erreichen unsere Helden Mr. Trolmes und Mr. Dottson das Landgut des Grafen Greyscale, um sich dem Fall der verschwundenen Preishirsche anzunehmen.

„Mein lieber Dottson, fällt ihnen was an dem Kadaver auf?“, fragt Trolmes, der gefeierte Detektiv aus der Londoner City.
„Nun, der Tod ist erst vor Kurzem eingetreten. Zudem wurde der Täter wohl in seiner Arbeit gestört“, konstatierte Dottson, als er sich über den toten Preishirsch beugt. „Der Preishirsch selbst sieht mir nicht sehr preisverdächtig aus. Vielleicht ist er noch zu jung – aber ich könnte nichts Besonderes an ihm erkennen. Außergewöhnlich ist nur, dass niemand einen Schuss gehört hat, so nahe am Anwesen. Aber die Schusswunde ist auch eine ungewöhnliche.“
„Das liegt daran, dass der Täter kein Gewehr verwendet hat, Dottson. Sie sehen die Eintrittswunde? Sie ist schmal und breit. Der Jäger hat Pfeil und Bogen verwendet.“ Trolmes zieht an seiner Pfeife und untersucht das Umfeld. „Der Stallbursche, der ihn, also den Hirsch, gefunden hat, hat ihn, den Jäger, offensichtlich unterbrochen.“
„Warum würde ein Wilderer einen Hirsch mit Pfeil und Bogen jagen?“, fragt Dottson?
„Um leise und unentdeckt zu bleiben. Das bedeutet aber auch, dass er es genau geplant hatte, die Hirsche hier zu jagen und dass er somit auch wusste, dass die Hirsche sich nahe am Anwesen herumtreiben würden. Ich kombiniere: Der Täter kennt sich aus – und ich bin mir sicher, dass Lord Greyscale auch den Täter kennt. Er ist von hier.“
„Warum ist es keine Frau?“, fragt Dottson.
„Ein Pfeil mit dieser Pfeilform und dieser Wucht, einen Hirsch förmlich aufzuspießen, ist wahrscheinlich von einem Langbogen ausgesandt worden. Dieses Tötungswerkzeug erfordert sehr viel Kraft. Und: Der Täter hat tiefe Spuren im Schnee hinterlassen. Das bedeutet, dass es sich um eine kräftige und starke Person handelt – somit ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass es ein Mann ist. Oder eine sehr starke, kräftige Frau, die weiß, wie man mit einem Langbogen schießt. Das sollte unseren Kreis an Verdächtigen einschränken.“

Beim nächsten Mal geht’s weiter.